Was kostet mich ein Konflikt im Team? Was keiner sehen will: Wie teuer es wirklich wird

Was kostet mich ein Konflikt im Team? Was keiner sehen will: Wie teuer es wirklich wird!

Neulich bekam ich eine E-Mail: „Bitte senden Sie uns ein unverbindliches Angebot für eine Konfliktmediation." Im Telefonat danach wurde es interessant. Die Personalentwicklerin sagte einen Satz, den ich oft höre: „Wir haben ein Budget. Und wir holen mehrere Angebote ein, um zu vergleichen ob sich eine Mediation überhaupt rechnet."

Völlig legitim. So macht man das.

Nur: Verglichen wurden Angebote. Und die sagen gar nichts darüber, was der Konflikt selber kostet. Genau genommen: Was es kostet, den Konflikt NICHT zu klären. 

 

Ein Konflikt steht in keinem Budget. Deshalb wird er nicht gerechnet.

 

Die Kosten der Klärung kennen alle. Sie stehen im Angebot, mit Stundensatz und Stundenanzahl, sauber aufgeschlüsselt.

Die Kosten des Nichtklärens kennt niemand. Sie tauchen in keiner Position auf.

Sie verteilen sich über Wochen, über Abteilungen, über Krankmeldungen und über Entscheidungen, die einfach nicht getroffen werden.

Und weil das eine eine Rechnung ist und das andere nur ein Gefühl, gewinnt bei jedem Vergleich die Zahl auf dem Papier.

Dabei ist die andere Seite messbar.

Man muss nur wissen, wo man hinschaut.

 

Posten 1: Gebundene Arbeitszeit – der Verlust, den keiner bucht

Wer im Konflikt ist, arbeitet weniger. Nicht aus Faulheit.

Sondern weil ein erheblicher Teil der Denkleistung in die Beziehung zum Gegenüber fließt: Nachrichten formulieren und wieder löschen. Gespräche im Kopf nachbereiten. Sitzungen meiden. Entscheidungen aufschieben, weil die Abstimmung zu anstrengend ist.

Belastbare Größenordnung aus der betriebswirtschaftlichen Literatur zu Konfliktkosten: Konflikte binden in Organisationen regelmäßig 15 bis 30 Prozent der Arbeitszeit der Beteiligten – in eskalierten Teams auch deutlich mehr.

Ein Teil davon ist unvermeidbar und produktiv.

Ein Teil ist reiner Reibungsverlust.

Rechnen Sie selbst: Zwei Personen mit je 60.000 Euro Bruttojahresgehalt, 20 Prozent gebundene Arbeitszeit. Das sind 24.000 Euro gebundene Arbeitszeit pro Jahr – in diesem einen Konfliktpaar.

 

Posten 2: Krankheitstage – sichtbar, aber selten zugeordnet

Psychische Belastung am Arbeitsplatz ist in Deutschland eine der häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit. Bei den Krankenkassen liegen psychische und Verhaltensstörungen seit Jahren auf einem der Spitzenplätze bei den AU-Tagen – mit Falllängen von durchschnittlich deutlich über 30 Tagen, also weit über dem Durchschnitt aller Diagnosen.

Was ein einziger Fall von 30 Krankheitstagen kostet, rechnen Sie in Personalkosten: Bei 60.000 Euro Jahresgehalt sind das rund 7.200 Euro Lohnfortzahlung für einen Menschen, der ausfällt – ohne Vertretung, ohne verzögerte Projekte, ohne den Wissensverlust im Team.

 

Posten 3: Fluktuation – der Posten, der richtig weh tut

Sobald ein Konflikt eskaliert, steigt die Kündigungswahrscheinlichkeit. Und eine Kündigung ist immer richtig teuer: Sie verlieren die Person, ihr Wissen, ihre Netzwerke – und zahlen für die Nachbesetzung.

Die Faustregel für Recruiting und Einarbeitung liegt grob geschätzt bei 100 Prozent eines Jahresgehalts. In Fachkräfte- und Spezialistenrollen auch darüber.

Bei 60.000 Euro Jahresgehalt heißt das: ca. 60.000 Euro für eine einzige Ersatzbesetzung – Suchkosten, Einarbeitungszeit, geringere Produktivität in den ersten Monaten.

Ein Teamkonflikt, der zwei gute Leute zum Gehen treibt, kostet mehr als 100.000 Euro.

Nicht in zehn Jahren. In einem.

 

Posten 4: Entscheidungsverlust – der teuerste Posten von allen

Ein Team im Konflikt trifft schlechtere Entscheidungen. Nicht, weil die Leute schlechter wären, sondern weil Informationen nicht mehr geteilt werden, Risiken nicht mehr ausgesprochen werden und niemand mehr eine unbequeme Frage stellt.

Was dann oft verschwindet, ist genau die eine Rückmeldung. Die, die ein Projekt, ein Produkt oder eine Investition rechtzeitig gestoppt hätte. Dieser Posten lässt sich schwer beziffern – deshalb wird er ignoriert.

 

Die Rechnung, die Sie für sich aufmachen sollten

Nehmen Sie einen eskalierten Teamkonflikt mit zwei stark beteiligten Personen, sechs weiteren Betroffenen und einem mittleren Fluktuationsrisiko:

 
 
Posten Größenordnung
Gebundene Arbeitszeit (2 Personen, 20 %) 24.000 € / Jahr
Krankheitstage (1 Fall, ca. 30 Tage) ca. 7.200 €
Fluktuation (1 Ersatzbesetzung, 50–100 %) 30.000 – 60.000 €
Verzögerte und schlechtere Entscheidungen nicht bezifferbar, oft der größte Posten
Summe der sichtbaren Posten ca. 60.000 – 90.000 €

Das ist der Preis des Wartens. Ohne Rechnung, aber in Ihrem Unternehmen längst bezahlt.

 

Und was kostet die Klärung?

Erst jetzt, mit dieser Zahl im Kopf, ist der Preis überhaupt vergleichbar.

Rechenbeispiel Teamkonflikt: sechs Beteiligte, drei Gruppentermine, eine Nachbesprechung – realistisch rund 4.000 bis 6.000 Euro netto.

Stellen Sie die beiden Zahlen nebeneinander:

60.000 bis 90.000 Euro für den Schaden - im Vergleich zu 4.000 bis 6.000 Euro für die Klärung.

Die Frage ist nicht mehr, ob sich das rechnet.

Die Frage ist: Warum Sie es so lange liegen gelassen haben?

 

„Aber rechnet sich das denn immer?"

Nein. Und das sage ich lieber vorher, als dass Sie es später merken.

Mediation ist dann nicht das richtige Mittel, wenn

  • es sich um eine reine Rechtsfrage handelt. Dann ist der anwaltliche Weg der richtige erste Schritt.
  • ein Missbrauch oder eine Straftat vorliegt. Dann ist Mediation kein Ersatz für Schutz und arbeitsrechtliche Schritte (sondern nur eine mögliche Ergänzung).
  • die Beziehung ohnehin beendet ist und es nur noch um die Trennung geht. Dann ist ein anderes Verfahren wirtschaftlicher.

In allen anderen Fällen lautet die ehrliche Antwort: Ein strukturiertes Verfahren ist typischerweise immer günstiger als der Zustand davor.

 

Fazit: Die Kosten des Konflikts sind da. Sie stehen nur nicht auf dem Papier

 

Wenn Sie sich fragen, ob Mediation sich lohnt, dann fragen Sie nicht zuerst „Was kostet das?", sondern:

  • Wie viel Arbeitszeit bindet der Konflikt schon jetzt?
  • Wie viele Krankheitstage hängen damit zusammen?
  • Wie wahrscheinlich ist die nächste Kündigung?
  • Wie viele Entscheidungen warten deshalb?

Und wenn Sie Angebote vergleichen: Vergleichen Sie nicht die Stundensätze, sondern das Verfahren. Der Preis pro Stunde sagt Ihnen nichts über das Ergebnis. Der Aufbau des Verfahrens sagt Ihnen alles.

So klären Sie Konflikte.

Rechtzeitig. Und mit einer Rechnung, die aufgeht.